Eine kurze historische Einführung

 

Niebla ist eine kleine Ortschaft von 4000 Einwohnern. Es liegt ca. 30 km von der Hauptstadt Huelva entfernt auf einem Hügel am Ufer des Flusses Tinto. Diese Lage macht Niebla zu einem besonderen Ort, verschiedene Kulturen haben im Lauf der Geschichte den Ort geprägt.

Der historische Kern von Niebla wurde 1982 von der Spanischen Generaldirektion für das historisch-künstlerische Erbe und Museen zum denkmalgeschützten Bauensemble (Conjunto Histórico-Artístico) erklärt.

Während Ihres Aufenthaltes können Sie an allen Bauwerken des Ortes Spuren des Zusammentreffens der Kulturen entdecken, die Niebla geprägt haben: von den Phöniziern (4.-3. Jh. v.Chr.) über die Römer (2. Jh. v.Chr.), die Westgoten und Mauren (8./9. Jh. n.Chr.) bis zur christlichen Eroberung Nieblas unter Alfons X. Alle Völker haben Zeugnisse ihres Aufenthaltes in Niebla hinterlassen.

Im Lauf der Zeit hatte Niebla verschiedene Namen. Die Phönizier nannten es Ilípula, die Römer Ilipla, die Westgoten sagten Elepla, und während der islamischen Zeit nannte man den Ort Lebla-Labla. Mit der christlichen Eroberung im Jahr 1262 wurde daraus Niebla.

Die Stadtmauern blicken auf verschiedene Epochen ihres Ausbaus zurück (vorgeschichtliche Einfriedung, römische Befestigung, maurische Stadtmauern). Sie erreichten ihre weiteste Ausdehnung im 13. Jahrhundert unter der Herrschaft von Ibn Mahfot, die sie auch heute noch bewahren.

Die Stadtmauern sind nahezu 2 km lang, zu ihnen gehören 44 Türme und 5 maurische Tore, außerdem ein kleinerer Durchgang, die sog. „Schartentür“ (Puerta del agujero) an der Stelle, an welcher sich möglicherweise einst das Haupttor zur römischen Stadt befand.

Die Stadttore

Die Stadttore dienten nicht nur zum Betreten und Verlassen des geschützten Siedlungsbezirkes, sondern auch der Verteidigung. Deshalb sind sie nach strategischen Gesichtspunkten errichtet: Sie sind in einem Winkel von 90 Grad erbaut und gegenüber des Tores befindet sich stets ein Turm zu dessen Verteidigung. Über den Toren sind Scharten in der Mauer, aus denen die Feinde vor dem Tor angegriffen werden konnten (man bewarf sie mit heißen Steinen oder glühendem Eisen oder übergoß sie mit siedendem Öl).

 

Niebla wird auch die „Stadt des Pulvers“ genannt, denn hier nutzte man im Jahr 1262 zum ersten Mal Schwarzpulver für militärische Zwecke, auch wenn man es in China bereits viel früher für Feuerwerke verwendet hatte.

Die Namen der Stadttore erinnern an ihre ursprüngliche Funktion oder an ein Begebenheit, die sich an ihnen ereignete:

„Tor der Hilfe“ (Puerta del Socorro): In seinem Inneren finden sich Reste eines Bildes, das die helfende Muttergottes zeigt.

„Sevilla-Tor“ (Puerta de Sevilla): benannt nach dem schönen Ausblick, den man von ihm aus auf die Landschaft zwischen Niebla und Sevilla genießt und durch die der Weg nach Sevilla, das frühere Hispalis, führte.

„Anleger-Tor“ (Puerta del Embarcadero): An ihm wurde einst die Ladung der Schiffe auf dem damals noch schiffbaren Rio Tinto gelöscht. Während der Maurenzeit war dies das Haupttor der Stadt.

„Wasser-Tor“ (Puerta del Agua): Es gibt mehrere Erklärungen für diesen Namen. Einige meinen, er verdankt sich der Nähe zum Fluß, andere glauben, daß sich an diesem Tor die ehemalige Wasserzufuhr zur Versorgung der Stadt befand.

„Ochsentor“ (Puerta del Buey): Von diesem Tor erzählt eine Legende, der letzte arabische König von Niebla, Ibn Mahfot, habe, nachdem seine Stadt bereits neun Monate belagert und die Nahrungsmittel äußerst knapp geworden waren, einen gemästeten Ochsen aus der Stadt treiben lassen, um den Belagerungstruppen unter Alfons X. vorzutäuschen, in der Stadt gebe es noch Lebensmittel im Überfluß. Allerdings ging diese Kriegslist nicht auf, Niebla wurde von den christlichen Truppen erobert.

Alle Stadttore sind in gleicher Weise ausgerichtet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts öffnete man die Mauer neben den Stadttoren an mehreren Stellen für den Straßenverkehr.

St. Martinskirche

Nach einigen nicht erhaltenen Vorgängerbauten errichtete man an dieser Stelle eine westgotische Basilika, in der sich der Bischofssitz des westgotischen Elepla befand. Auf ihr entstand eine der größten Moscheen des moslemischen Labla, mit einer fünfschiffigen Gebetshalle und einem Minarett. Nach der Überlieferung übergab Alfons X. diese Moschee der jüdischen Gemeinde von Niebla.

Bald nach der christlichen Eroberung Nieblas änderte man die Ausrichtung der Schiffe, und aus einem der seitlichen Hufeisenbögen der ehemaligen Moschee entstand das Kirchenportal. Man errichtete einen Altar und einen Glockenturm über dem Minarett. Wohl im 14. Jahrhundert setzte man Seitenkappellen an die Stelle der früheren Außenschiffe der Moschee und gab so der Kirche einen kreuzförmigen Grundriß mit einem dreischiffigen Langhaus und einem aus Kapellen gebildeten Querhaus. Von ihnen hat sich nur eine erhalten, in der noch heute der „Señor de la Columna“ auf einem kleinem Altarbild aus dem 17. Jahrhundert verehrt wird. Man sagt, daß der Glockenturm einstürzen würde, würde man das Bild entfernen, denn es gebe einer der wichtigsten Säulen des Turms Halt.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts errichtete man eine neue, gotische Apsis mit reichem Schmuck sowie zwei Kapellen gegenüber des Altars in den beiden Seitenschiffen.

Es ist wichtig, in diesem Gebäude auf die Spuren seiner jeweiligen unterschiedlichen Bestimmung (als Moschee, Synagoge und Kirche) in den verschiedenen Kulturen zu achten.

Amador de los Ríos hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Kirche fotografiert. Auf seinen Aufnahmen ist die beeindruckende Höhe der Kirche zu bewundern. 1922 ordnete der Bürgermeister die Zerstörung der Kirche an, um den Straßenverkehr zu fördern. Die Zerstören wurde dank der Bemühungen eines Schutzvereins zur Bewahrung der Bauwerke gestoppt und unter Denkmalschutz gestellt.

Platz der heiligen Maria

Auf diesem Platz befinden sich zwei der denkmalgeschützten Gebäude Nieblas, das Krankenhaus Unserer Lieben Frau von den Engeln (Nuestra Señora de los Ángeles) und die Kirche Sta. Maria de Granada.

 

Das Krankenhaus Unserer Lieben Frau von den Engeln (Nuestra Señora de los Ángeles)

Das Gebäude stammt aus dem 17. oder 18. Jh., die Fassade schmückt ein schönes Kachelbild der Engelsmadonna (Virgen de los Ángeles). Es diente als Hospital für Arme und Kranke. In seiner Kapelle sehen wir ein Fresko des 18. Jh., das die Engelsmadonna zwischen dem heiligen Laurentius und dem Erzengel Michael zeigt. In seiner jüngeren Vergangenheit diente das Gebäude verschiedenen Zwecken, u.a. als Kulturzentrum, Bibliothek und Stadtarchiv. Im Augenblick allerdings sind Besichtigungen wegen seines schlechten baulichen Zustandes nicht möglich.

Kirche Sta. Maria de Granada

Innenhof.

In römischer Zeit befand sich hier ein Tempel, von dem die Säulen und ein Relief noch heute in der Kirche zu sehen sind. Die Westgoten hinterließen das Taufbecken, das ungefähr 1500 Jahre alt ist, und im Turm findet man eine kleine Säule mit geschnitztem Schaft. Aus arabischer Zeit stammen die Hufeisenbögen und der Patio, der Innenhof, in dem die Araber vor dem Betreten der Moschee zum Gebet die vorgeschriebenen Waschungen verrichteten. Aus der christlichen Zeit stammt der Turm, den Alfons der X. der Weise über dem kleinen Minarett der Moschee errichten ließ, um in ihm die Kirchenglocken unterzubringen.

Im Innern der Kirche.

Das Relief, das aus römischer Zeit stammt und ungefähr 2000 Jahre alt ist, stellt die Fassada des ursprünglichen Tempels dar. Dieses Relief war der Göttin Minerva gewidmet, der Göttin der Künste und des Wissens.

Das Bild stellt die Madonna mit dem Granatapfel (Virgen de la Granada) dar, die der Kirche ihren Namen gegeben hat. Mit einer Hand stützt sie ihr Kind, in der anderen hält sie einen Granatapfel.

Nach der christlichen Eroberung wurde die Ausrichtung des Gebäudes um 90 Grad gedreht, indem man den Altar im Osten aufstellte (Sonnenaufgang) und das Ende des Schiffes nach Westen (Sonnenuntergang) ausrichtete. Im 15. Jh. zerstörte man die Seitenschiffe und erbaute eine dreischiffige Kirche, wobei das Mittelschiff die neuen Seitenschiffe an Höhe überragt. Die Apsis im gotischen Mudejar-Stil mit ihrem Sterngewölbe wurde 1515 vollendet. Während des spanischen Bürgerkrieges verbrannte eine bedeutende Kassettendecke im Mudejar-Stil.

Auf dem Altar finden wir zwei westgotische Pulte sowie einen Sessel, der möglicherweise als Bischofssessel diente, da Niebla sich in westgotischer Zeit als wichtiger Bischofssitz etablieren konnte. Unter dem Altar befindet sich ein westgotischer Friedhof, auf dem die hervorragenden Persönlichkeiten jener Zeit beerdigt wurden.

Obwohl der Beichtstuhl relativ neu ist,wurde er aus alten gotischen Teilen gebaut, die man im Bereich des alten Schlosses gefunden hat und die über 500 Jahre alt sind. Auf dem Sitz des Sessels finden wir sogar ein westgotisches Teil (ca. 1500 Jahre alt).

Diese gesamte Seitenmauer der Kirche ist die alte Mauer der qibla der ursprünglichen Moschee, d.h. die Mauer, vor der sich die Araber während des Gebets verneigten. Innerhalb dieser Mauer befindet sich eine kleine Mulde, der mihrab, d.h. die Gebetsnische, welche in Richtung nach Mekka ausgerichtet ist.

In der letzten Kapelle stellten die Araber den almínbar unter, eine hölzerne, bewegliche Plattform, von der aus der Imam predigte. Heutzutage kann man in dieser Kapelle die Fihuren bewundern, die in der Karwoche (Semana Santa) auf den Straßen Nieblas gezeigt werden: die Madonna der Schmerzen (Virgen de los Dolores), Jesus von Nazareth (Padre Jesús Nazareno) und den liegenden Christus (Cristo Adyacente).

In diesem Gebäude können wir das Zusammenspiel der Kulturen und Stile in den verschiedenen Formen der Bögen bewundern: Rundbögen, arabische Hufeisenbögen und schließlich gotische Spitzbögen.

Außder den bereits erwähnten Bildern kann man auch die Überresten von Bildern und neueren Kultgegenstände sehen (den Tabernakel, das Marienbildnis der Virgen del Pino, der Stadtpatronin, das Marienbildnis der Rocío-Bruderschaft, die Virgen del Carmen usw.).

Seit 1931 steht die Kirche Sta. Maria de la Granada unter Denkmalschutz.

Die Burg der Guzmán.

Die Burg wurde von Heinrich von Guzmán „dem Guten“ eriichtet, dem vierten Graf von Niebla und zweiten Graf von Medina Sidonia. Seinen Beinamen verdankt er seiner Großzügigkeit gegenüber den Bürgern von Niebla. Im Jahr 1402 ließ er den arabischen Palast zerstören, um an seiner Stelle den Ehrenturm der Burg zu errichten, der so hoch und so prächtig wie die Giralda in Sevilla war. An dieser Stelle befanden sich vor der Burg und dem arabischen Palast auch eine westgotische Festung und noch früher eine römische Zitadelle. Die Burg steht seit 1945 unter Denkmalschutz.

Die Burg gliedert sich um zwei Innenhöfe, den Waffenhof und den Kavalleriehof. Um den Waffenhof befinden sich die wichtigsten Räume der Burg; hier befand sich auch der Ehrenturm, der durch das große Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 zerstört wurde. Das Tor wird von einem gotischen Bogen geschmückt, über ihm befindet sich das Wappen der Grafschaft Niebla mit Burgen und Löwen.

Um den Kavalleriehof befanden sich die Werkstätten, Pferdeställe, Küchen usw.

Im Jahr 1812 zerstörten die französischen Truppen unter Mareschall Soult die mittlere Wand, welche beide Höfe getrennt hatte und andere Teile der Burg.

Bei den Schießscharten finden sich die Keller, von denen die ersten beiden als Lagerräume dienten, die tiefsten aber als Kerker.

Das charakteristische Kreuzzeichen über einem Kreis, das an verschiedenen Stellen zu sehen ist, symbolisiert das Kreuz und den Erdball und damit die Herrschaft des Christentums über die Welt.

Heutzutage kann man im Inneren der Burg eine Ausstellung über das Mittelalter besuchen, die sich über verschiedene Räume, Türme und Keller der Burg erstreckt. Sie führen den Besucher durch ihre Einrichtung in die Vergangenheit zurück und informieren über Umwelt und Gebräuche des Mittelalters mit Hilfe von Musik und mehrsprachigen Schautafeln. Die Räume umfassen folgende Themen: Küche, Wissenschaft und Glauben, Gräfinnenzimmer, Waffenkammer, Elena Wishaw, die Burgen, Falknerei, der Río Tinto, die Webstühle und die Kerker. Dazu kommen die äußeren Anlagen: der Waffenhof, der Kavalleriehof und der Rundgang über die Burgmauer (Paseo de Ronda).

Römische Brücke

Sie überspannt den Río Tinto, am Eingang von Niebla. Im Lauf ihrer Geschichte ist sie häufig wieder aufgebaut worden. Während des Bürgerkriegs wurde sie gesprengt, um Truppeneinmärsche zu verhindern, danach jedoch in ihrer heutigen Gestalt wiederrichtet. Man kann sie von einem der Burgtürme, dem Mirador del Tinto, sehen.

www.castillodeniebla.com